Home ] Nach oben ] Fotos ]

 

Rhens, die Stadt für die Wahl deutscher Könige und Kaiser ist mit seinem "Kurverein" beispiellos in Deutschland. Seit 1338 trafen sich dort am Rhein die sieben Kurfürsten des Reichs aus Mainz, Trier, Köln, Böhmen, der Pfalz, Brandenburg und Sachsen

Zu ihren diskreten Beratungen ließen sie sich dort in einem Nachen auf den den verschwiegenen Fluss zu Beratungen hinausrudern und präsentierten im Anschluss dem Volk den siegreichen Kandidaten ihrer Kungelei auf dem steinernen Königsstuhl. Hierzu gehörten u.a. Karl IV, Wenzel und Ruprecht von der Pfalz, Heinrich von Lützelburg. Der freistehende, kanzelartige Stuhl wurde 1843 rekonstruiert und 1929 auf eine Anhöhe versetzt. Von hieraus können Besucher und Gäste einen herrlichen Blick auf das Rheinteil genießen, zu der auch die Aussicht auf Rhens, Koblenz, Lahnstein, Braubach und die Marksburg gehört.

 

Die Vogtei über Rhens war 1174 im Besitz der Grafen von Saffenburg, die sie für 200 Mark an den Erzbischof von Köln verkauften. Seit dieser Zeit gehörte Rhens zum Kurfürstentum Köln. Das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der Stadt war 1338 die Bildung des Kurvereins zu Rhense, in dem sich die sieben Kurfürsten auf die künftigen Modalitäten der Wahl eines deutschen Königs einigten und dem Papst das von ihm beanspruchte Approbationsrecht absprachen. An dieses Ereignis erinnert bis heute der Königsstuhl von Rhens.

1400 wurde Wenzel, Sohn Kaiser Karls IV. als römischer König von den drei geistlichen Kurfürsten und von Ruprecht III., dem Pfalzgrafen bei Rhein, auf der Burg Lahneck in Oberlahnstein abgewählt. Ruprecht wurde daraufhin in Rhens als Ruprecht I. zum neuen König gewählt.

Anzumerken ist, dass der Königsstuhl vor 1929 direkt am Rhein stand und sich nun auf einer Anhöhe in Richtung Waldesch befindet.

Hexenprozesse: Im 17.Jhd. kam es auch in Rhens zu Hexenverfolgungen. Die Einkerkerung und Folterung fand im "Scharfen Turm" (Teil der Stadtmauer, direkt am Rhein) statt. Die Hinrichtungen fanden an min. zwei verschiedenen Orten statt.

Auf eine lange Tradition kann sich auch der Rhenser Mineralbrunnen berufen. Erstmals im 16. Jahrhundert erwähnt, wird hier seit über 150 Jahren Mineralwasser industriell abgefüllt. Das Unternehmen gehört zu den bedeutendsten Anbietern von Mineralwässern und Süßgetränken in Deutschland. Es bietet u. a. "Rhenser", "Perling" und "Frische Brise" an.

Eine tolle Kulisse bekommt der Besucher in Rhens mit seinen Toren, Stadtmauern, Türmen, dem gotischen Alten Rathaus und den bunt bemalten, reich beschnitzten Fachwerkhäusern

   

weitere sehenswerte Foto von Rhens

Der Königsstuhl von Rhens ist ein steinerner, zweistöckiger Achteckbau als vergrößerte Darstellung eines Throns an der Stelle des Nussbaumgartens zu Rhens am Rhein (südlich von Koblenz), an der im Mittelalter häufig die Wahl zum Römisch-deutschen König durchgeführt wurde. Das heute zu besichtigende Bauwerk ist ein inzwischen versetzter Neubau aus dem Jahre 1842 nach Zerstörung des Originals im Jahre 1795.

Seit 2002 ist der Königsstuhl Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.

Der Königsstuhl geht in seinem Grundriss wahrscheinlich auf einen älteren Holzbau zurück. Der heutige Achteckbau besteht aus einer achteckigen Bodenplatte, auf der sieben Außenspitzbögen auf acht Außenpfeilern (mit je einem Strebepfeiler auf gemeinsamen Sockel) über den Seiten und acht Innenbögen zusammen mit einer achteckigen Mittelsäule eine ebenfalls achteckige, mit einer Mauer umgebene Plattform tragen, zu der eine 17stufige Treppe (anstelle des achten Außenbogens) im Südwesten durch einen weiteren Spitzbogen mit Treppengiebel führt. Das Bauwerk ist aus schwarzen Lavaquadern, die acht Pfeiler und die Mittelsäule aus Basalt errichtet. Vom Vorgängerbau stammen der Fuß und das Kapitell der Mittelsäule. Die Pfeilersockel waren anfänglich weiß getüncht.

Der ursprüngliche Königsstuhl (errichtet vor 1398) unterschied sich von seinem Nachfolgebau von 1842 in vieler Hinsicht: Er besaß keinen Giebel über dem Treppenbogen des Aufgangs, dessen Umfassungsmauerabschluss und der der Plattform auf einem Niveau lagen. Die rechtwinklig geführte Treppe wies zwischen ihren ersten Stufen (Richtung NW weisend) und ihrer Weiterführung zur Plattform (Richtung NO wie heute die gesamte gerade Treppe) einen Absatz auf. Zudem wurde der hintere Aufgangsabschnitt anstelle von massivem Mauerwerk von einem treppenbreiten Bogen getragen, der damit einen Durchgang unter der Treppe freiließ, so dass alle acht Pfeilersockel frei standen. Die Wände waren verputzt und weißlich getüncht, es war also keine Steinsichtigkeit (freier Blick auf die unverputzte, unbemalte oder unverschalte Mauersubstanz) gegeben. Die Pfeilersockel waren bis zur halben Treppenhöhe und die Treppenbogeneinfassung komplett rötlich abgesetzt. Die acht Strebepfeiler waren kürzer und mit eigenem Sockel versehen, die heutigen haben mit den Bogenpfeilern einen gemeinsamen Sockel. Die acht Außenbögen waren flacher gehalten und erschienen damit etwas weiter als beim heutigen Bau. An der Südostaußenwand Richtung Rhein war auf den hellen Putz über dem Bogen der Doppeladler des römischen Kaiserreiches aufgemalt.

Im Jahre 1273 fand erstmals im Nussbaumgarten am Rheinufer zu Rhense eine Vorbesprechung der vier rheinischen Kurfürsten (die Erzbischöfe von Mainz, Trier, Köln und der Pfalzgraf bei Rhein) zur Wahl Rudolfs von Habsburg statt, da dort ihre Territorien zusammentrafen. Nach weiteren Vorbesprechungen für die Wahlen von Heinrich VII. und Ludwig dem Baier zum römisch-deutschen König in den Jahren 1308 bzw. 1313/14, wurde im Jahre 1338 der Kurverein von Rhense geschlossen, der kurz darauf in Frankfurt am Main zum Reichsgesetz erhoben wurde.

Die erste Königswahl in Rhens wurde am Königsstuhl im Jahre 1346 bei der Wahl Karl IV. zum Gegenkönig durchgeführt. Zehn Jahre später wurde durch die Goldene Bulle Kaiser Karls IV. Frankfurt als der Ort der Königswahl bestimmt. Im Jahre 1376 wurde deshalb am Königsstuhl die Wahl des Sohn Karls IV. Wenzels zum König vorbereitet und am 10. Juni 1376 in Frankfurt vollzogen. Wenig Tage nach dessen Krönung verfügte Karl am 9. Juli 1376, dass ein »steynen gestuel« (steinernes Gestühl) zu errichten sei, auf dem die Kurfürsten den zukünftigen König zu benennen haben.

Erbauen mussten den Königsstuhl die Bürger von Rhens, die allerdings für die entstandenen Kosten und den späteren Unterhalt des Bauwerks von Karl ein Zollprivileg erhielten.

Im Jahre 1398 wurde das Gestühl zum ersten Mal schriftlich erwähnt, wahrscheinlich im Zusammenhang mit einem Besuch Wenzels in Rhens. Nach der Absetzung Wenzels im Jahre 1400 wurde Ruprecht III. von der Pfalz als erster König und künftiger Kaiser auf dem steinernen Königsstuhl erhoben. Nach dem Tode Ruprechts verlor Rhens allmählich seine Stellung als Beratungs- und Wahlort, jedoch wurde im Jahre 1433 Friedrich III. auf den Königsstuhl erhoben. Er leistete an dieser Stelle einen Eid auf das Reich und erhielt den Ritterschlag. Maximilian I. bestieg auf der Fahrt von Frankfurt nach Aachen den Königsstuhl bei Rhens. - Nach anderen Quellen war Ruprecht III. von der Pfalz der erste und letzte König, der in Rhens auf dem Königsstuhl gewählt wurde, da Frankfurt als Wahlort bereits festlag, und der Bau des Königsstuhls durch Karl IV. (für künftige Versammlungen zur Vorbereitung der Königswahl) von manchen Historikern als Ausgleich für den verlorenen eigentlichen Wahlort angesehen wird. Die nachfolgenden Könige und Kaiser - auch Friedrich III. - ließen sich in Frankfurt wählen und besuchten nur noch auf der Fahrt zur Krönung nach Aachen den Königsstuhl in Rhens, bestiegen ihn zur Leistung des Treueides und zur Präsentation dem Volke gegenüber. Um 1550 verlor sich dieser Brauch unter den Nachfolgern Maximilians I. ebenfalls[1].

Nach einer Restaurierung des Königsstuhl durch Landgraf Georg II. von Hessen im Jahre 1624 verfiel er in den nächsten hundertsiebzig Jahren allmählich. Nach seiner Zerstörung und Verkauf der Steine an Rhenser Bürger durch französische Soldaten in den Kriegswirren der Napoleonischen Kriege im Jahre 1795 wurde der Königsstuhl 1806 endgültig abgetragen. Nach einer durch eine von Karl Bernhard Hundeshagen im Jahre 1826 entworfene Neujahrsplakette mit dem Relief des Königsstuhls ausgelöste Spendenaktion, die von König Friedrich Wilhelm IV. von Preußen unterstützt wurde, kam es zu einem Aufruf zur Wiedererrichtung des Denkmals, und in den Jahren 1841 bis 1843 zum Neubau des Königsstuhls durch den Baumeister Johann Claudius von Lassaulx. 1848 fand eine feierliche Versammlung aus Anlass der Frankfurter Nationalversammlung statt.

Im Jahre 1929 wurde der Königsstuhl vom Nussbaumgarten außerhalb von Rhens an seinen jetzigen Platz auf der Rheinhöhe Schawall nahe der Umgehungsstraße (B9) mit Sicht auf Rhens und das Rheintal verlegt. Eine Tafel am Rhein zeugt vom einstigen Standort des Bauwerks. Von 1979 bis 1982 sanierte die Schlösserverwaltung Rheinland-Pfalz das Denkmal und fügte dem Bauwerk das rheinland-pfälzische Wappen hinzu.

Lange Jahre war der Königsstuhl bei Rhens der Ort, an dem die Koblenzer Bürgermeister ihre Amtskette überreicht bekamen. Seit Pfingsten 1978 gab es wieder häufige Treffen der Bürgermeister von Koblenz und Rhens auf dem "Königsstuhl zu Rhense".

Quelle: Wikipedia